MORBUS RAYNAUD
idiopatischer
bzw. essentieller und symptomatischer
Morbus Raynaud
Die Bezeichnungen Ray naud Synd rom oder Morbus Raynaud, werden im weitesten Sinne für alle a kralen (= das äußere Ende betreffenden) Durchblutungsstörung en an Händen oder Füßen benutzt (akra le Ischäm ie), im engeren Sinne für funktionelle Durchblutungsstörungen (vasos pastisches Synd rom), verursacht durch eine überschießende, funktionelle Gefäßverengung durch muskuläre Kontraktion (= Verengung, Zusammenziehen) der Tunica media (= mittlere Muskel wandschicht einer Schlagader), insbesondere an Finger - und Zehen arterien.
Der Begriff "Raynaud" geht auf den französische Arzt Maurice Ray naud zurück, er entdeckte bereits 1862 diese Form einer Durchblutungsstörung.
Der Morbus Raynaud tritt in zwei Formen auf:
Ein idiopathischer (essentieller) Morbus Raynaud ist eine rein funktionelle Störung im Bereich der kleinen Arterien der Hände und Füße, bzw. Fi nger und Ze hen. Eine Grunderkran kung kann nicht aufgedeckt werden, weshalb diese Morbus Rayn aud-Form als pri mär, idiopathisch oder auch essentiell bezeichnet wird. In typischer Weise tritt ein idiopathischer (essentieller) Morbus Raynaud symmetrisch auf, wobei meist Daumen oder Groß zehe ausgespart bleiben. Die Langzeitprognose (= Vorhersage über den wahrscheinlichen Verlauf und Ausgang einer Kran kheit über einen längeren Zeitraum) ist beim pri mären Morbus Raynaud gegenüber der sek undären Form als günstiger zu bezeichnen.
Ein
symptomatischer
(= infolge einer anderen Er
krankung auftretender)
Mor
bus Raynaud ist
gekennzeichnet durch einen (meist) asymmetrischen
(= ungleichen)
Befall der Hä
nde und/oder F üße.
Ein symptomatischer Morbus Ray
naud kommt als Begleiterkran
kung bei Arteriopathien
(= Erkran kungen der Schlagader),
Kollagenosen (=
Defekt im Immunsystem mit Bindegewebsverhärtung),
chronischer Traumatisierung
(= zu einer Störung/Er
krankung führende
Einwirkung) und Vergiftungen (hpts.
Ergotamin, aber auch Arsen und Blei) vor.
Meist tritt der Mor bus Raynaud anfallsartig in drei Phasen auf. Zunächst sind die Fi nger/Ze hen blaß bzw. weißlich, dann kommt es zu einer Zyanose (= bläuliche Verfärbung) und als Zeichen einer reaktiven Hyperämie (= vermehrte Blutfülle) stellt sich dann später eine Rötung ein.
In manchen Fällen bleibt die Abblassung aus. Schmerz en können sowohl in der ersten als auch in der zweiten Phase auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium bestehen nicht selten Dauerschmerzen. Auffallend ist, daß die Beschwerden i.d.R. mit abnehmender Umgebungstemperatur zunehmen.
Schreitet der Mor bus Ray n aud fort, kann es zu Wachstumsstörungen der Nägel sowie Absterben der Fingerkuppen kommen. Die Langzeitprognose (= Vorhersage über den wahrscheinlichen Verlauf und Ausgang einer Kran kheit über einen längeren Zeitraum) hängt von einer evtl. vorhandenen Grunder krankung ab.
Diagnostik bei Mor bus Raynaud:
· Labor: Blutbild, Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit (BSG), Kryoglobuline, antinukleäre Antikörper
· Hauttemperaturmessung
· Dopplersonographische Blutdruckmessung der Hand - und Fuß arterien
· Lichtplethysmographie (= Gerät zur Anzeige u. fortlaufenden Aufzeichnung der durchblutungsbedingten Volumenschwankungen eines Körperabschnitts)
· Kälteprovokationstest
· Angiographie zum Nachweis von Verschlüssen oder Stenosen (= Verengungen)
· Kapillarmikroskopie im Hinblick auf eine mögliche Sklerodermie (= Oberbegriff für chron. verlaufende Kran kheiten mit bindegewebiger Verhärtung)
Therapie:
Im Vordergrund steht zunächst einmal die kausale (= ursächliche) Behandlung einer möglichen Grunder krankung, die den Mor bus Ray naud auslöste.
Bis eine solche Therapie greift, könnte man symptomatisch (= nur auf die Kra nkheitszeichen bezogen) durchblutungsfördernde Mittel wie Naftidrofuryl, Pentoxifyllin oder Buflomedil versuchen, in den letzten Jahren auch zunehmend das Prostaglandin E1-Analogon Alprostadil. Problem ist, daß diese Mittel, und das gilt generell auch für Alpha-Rezeptorenblocker und Calciumantagonisten (z. B. Nifedipin), den Blutdruck senken. Patienten mit einem Morbus Raynaud haben aber häufig bereits einen erniedrigten Blutdruck, so daß eine diesbezügliche Behandlung bzw. Verordnung dann problematisch wird.
Zur Behandlung dieser Schmerzen hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form längerfristiger (2 bis 3 Wochen), kontinuierliche Nervenblockaden (= Betäubungen) mit Katheter (*siehe unten) sehr bewährt.
Für die distalen
(= von der Körpermitte mehr entfernten Abschnitte)
oberen
Extremitäten
(=
Arme)
eignet sich die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis
(= Armnervengeflecht).
Da der Plexus brachialis reich an vegetativen
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffend)
Nerven
fasern ist, tritt neben der nozizeptiven
(= die Schmerzreizleitung
betreffenden) Hemmung auch eine
ausreichende sympathikolytische
(= gefäßerweiternde) Wirkung ein.
Bei herabgesetzter
Lokalanästhetika
konzentration (z.B. 10 bis 15 ml Bupivacain, 0,1 bis 0,15%) bleibt die Motorik
(= Muskelkraft)
erhalten, so daß begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen für die
Hände
möglich sind (trainingshalber auch mit Kälteexposition).
Die Methode kann zeitgleich beiderseits durchgeführt werden, aus
Sicherheitsgründen sollte bei repetitiver Applikation
(= wiederholter Einzelverabreichung)
diese alternierend (=
im Wechsel) erfolgen.
Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Blockade
(= Betäubung)
des
Ganglion stellatum
in gehäufter Abfolge, optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter*.
Für die distalen unteren Extremität en (= Füße) eignet sich die kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus mit Katheter* (Klatt et L eser 1994 - Schmerzkl inik Bad Mergen theim). Auch dieser Nerv führt vegetative Fasern mit sich, so daß hier ebenso die gewünschte sympathikolytische (= gefäßerweiternde) Wirkungen eintritt, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim Plexus brachialis.
Diese kontinuierlichen Blockaden bewirken beim Morbus Raynaud eine Art Gefäßtraining, wodurch sich die ursächliche Engstellung der Gefäße wieder normalisiert bzw. anhaltend bessert.
Die Durchführung kontinuierlicher Blockaden mit Katheter* erfordert in der Regel einen stationären Aufenthalt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das lang wirkende Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus, wie oben schon ausgeführt, eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung (Morbus Raynaud!), auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, sehr hilfreich ist.
Die beschriebenen, invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
Jetzt noch gute Nachrichten für alle Schmerzpatienten
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf , in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik) Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: www.schmerzklinik.com/sozialgericht2 (Pressekommentar dazu: https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik) und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerzklinik.com/sozialgericht3.
Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen.
Führen Krankheiten, also auch chronische Schmerzen, nicht zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, so ist laut dem zuständigen Bundesministerium die Krankenkasse selbst Kostenträger und nicht die Rentenversicherung. Auch ist die Krankenkasse selbst Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht. Quelle: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer
ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen
wir auch keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der
verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
----------------------------------------------------------------
www.morbus-raynaud.eu k u <strong>idiopatischer</strong> <strong>essentieller</strong> <strong>symptomatischer</strong>
Webkatalog - zum Finden